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Ein unvergesslicher Abend

Dunkelrestaurant

Im Innern des Dunkelrestaurants

Mein bester Freund und ich- keine Freundschaft war tiefgründiger, kein Mensch feinfühliger. Es war eine Freundschaft mit süßem Beigeschmack.
Um Geschmäcker ging es auch an diesem Tag, denn ich hatte vor kurzem in meiner Heimatstadt Berlin ein neues Restaurant entdeckt. Als ich näher kam, staunte ich nicht schlecht, denn es war kein Restaurant, wie jedes andere, sondern eins, wo ich noch nie vorher von hörte- ein so genanntes Dunkel- Restaurant. Nun war meine Neugier geweckt. Ich stellte es mir total schön vor, darin zu sitzen und zu essen.

Als ich zu Hause war, machte es mich traurig wie immer in meine Wohnung zu kommen und Niemanden außer meinen beiden Kaninchen vor zu finden. Mit wem könnte ich dort hin gehen? Wer würde sich darüber freuen? Natürlich, dachte ich. Matze, mein bester Freund. Es war mir klar, dass er nicht gleich begeistert von der Idee sein würde, da er durch sein von Unsicherheiten geprägtes Leben nicht gerade überaus enthusiastisch an Unternehmungen heran ging, doch der Gedanke mit ihm dorthin zu gehen, stimmte mich freudig und ich würde es sicher auch diesmal schaffen, ihn zu überreden.
Als ich versuchte, ihn an dem Tag zu erreichen, dauerte es lange, bis ich ihn ans Telefon bekam.

„Hallo“, meldete ich mich. „Ich habe etwas entdeckt, was dich bestimmt auch interessieren wird…“
Ich berichtete ihm von dem Restaurant, wo man in völliger Dunkelheit Essen serviert bekam und es durch den Tast- und Geruchssinn vermutlich viel mehr genießen konnte, da sonst die Gewohnheit eine große Rolle spielte.
Wie ich es erwartet hatte, war er nicht sehr begeistert von der Idee, da er befürchtete, etwas Ähnliches wie Kakerlaken auf dem Teller vorzufinden. Ich lachte darüber.

Schließlich hatte ich ihn nach zweistündiger Überzeugungsarbeit soweit, mit mir dorthin zu gehen. So griff ich auch gleich nach dem Telefonat mit ihm noch mal zum Telefonhörer, um einen Tisch vorzubestellen. Die Dame am anderen Ende des Hörers reservierte mir einen Tisch in etwa zwei Wochen. Damit dieser Abend ein Erlebnis werden würde, welches uns in Erinnerung bleibt, nahmen Matze und ich uns vor, einen schicken BMW auszuleihen, mit dem wir zu dem Restaurant fuhren. Ich kaufte mir ein Abendkleid, welches mir gut gefiel und welches zu dem Abend passte. Er wollte den Anzug anziehen, der noch bei seinen Eltern lag. Doch zu unserem Schock entdeckte er, dass die Hose eingelaufen war, also fuhren wir schnell zu dem nächst besten Geschäft, um einen neuen zu kaufen, den er vorher anprobierte.
Wir hatten verabredet, das Geld zusammen zu legen, was wir für das Essen gespart hatten.

Nun war es endlich soweit. Matze fuhr mit dem BMW vor meine Wohnung in Berlin. Ich kam in meinem Abendkleid aus der Tür und konnte kurz sehen, wie er staunte, doch schnell blickte er zur Seite, um sich das nicht anmerken zu lassen, hatte ich das Gefühl.

„Du siehst schick aus“, sagte ich dann zu ihm. Er hatte seine Haare gestylt und die Krawatte, sowie der Anzug sahen für mich vollkommen ungewohnt aus. Auch ich staunte.
„Danke, du auch.“, antwortete er.
Ich stieg in den glänzenden BMW ein und bemerkte, wie wir einige Blicke auf uns zogen, was mich nicht sonderlich störte, doch Matze schien es etwas nervös zu machen. Schnell bediente er die Gangschaltung und fuhr los.

Als wir ankamen, standen einige Leute vor dem Restaurant und sahen sich die Tafel mit den Angeboten und andere Schilder an. Es war heute viel los in Berlin.
Wir gingen rein und wurden auch gleich von einer Dame freundlich empfangen, die uns auch gleich zu unserem reservierten Tisch brachte, nachdem sie nach unseren Namen gefragt hatte.

Als sie uns zu unserem Tisch brachte, war der Raum noch beleuchtet und der Tisch war noch leer. Wir warteten, bis die anderen Leute, die an dem Tag einen reservierten Tisch hatten, Platz genommen hatten.
Dann fing die Dame, die uns an unseren Tisch gebracht hatte an, die Regeln zu erklären. Sie erklärte, wann ein bestimmtes Essen serviert werden würde und woran wir das erkennen. Dann erklärte sie, dass alle möglichen Lichtquellen zu der Zeit des Dinners verboten sind z.B. Zigaretten, Handys, Kerzen und Taschenlampen. Sollte jemand dabei erwischt werden, muss er gehen. 

Plötzlich wurde das Licht ausgeschaltet, was für mich gewöhnungsbedürftig war. Ich war kurz unsicher und hatte den Drang, hinaus zu laufen. Ich merkte auch kurz, wie mir der Schweiß auf der Stirn stand.

„Matze?“, fragte ich.
„Ja.“, antwortete er ebenfalls unsicher.
„Geht es dir gut?“ „Ja, es geht.“, sagte er.
Ich wurde etwas ruhiger. Als ich versuchte, mir mit dem Finger auf die Nasenspitze zu fassen, traf ich daneben. Ich sah tatsächlich gar nichts, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Nun wurde der erste Gang serviert. Ich konnte das Essen riechen. Es roch nach Fisch.

Also suchte ich kurz nach der Gabel und fand sie auch gleich. Als ich den Fisch, den ich vorher nicht sah in meinen Mund führte, schmeckte ich jede Einzelheit an ihm, was mich freudig stimmte.
Nebenbei hörte ich, wie Matze anscheinend ständig irgendetwas herunterfiel, was mich zum lachen brachte.
Als ich mein Glas, nach längerem Suchen auf dem Tisch fand, versuchte ich herauszufinden, was das Getränk war, was ich da gerade trank. Da mir der Geschmack bekannt vorkam, musste ich es kennen.

„Hm, schmeckt nach Kirsch-Bananen-Nektar“, sagte Matze plötzlich.
„Ja, du hast Recht.“, antwortete ich. Jemandem um uns herum schien gerade ein Glas auf den Boden gefallen zu sein. Im nächsten Gang fiel es mir sehr schwer, das Fleisch zu identifizieren, welches uns serviert wurde. Am Ende stellte sich heraus, dass es Huhn war.

Kurz merkte ich, wie eine Hand mich berührte, was mir eine leichte Gänsehaut auf den Rücken jagte. Schnell zog ich meine Hand zurück.
Nach und nach fand ich es immer gemütlicher in dem Restaurant, so dass ich mich entspannt zurück lehnte und rätselte, was ich gerade zum Essen vor mir hatte und was ich gerade trank. Das Essen machte mir einen riesigen Spaß und ich fand es toll, dass mein bester Freund mich dorthin begleitet hatte.

Am Ende gab es Eis, doch was es genau für eine Geschmacksrichtung war, konnte ich nicht erraten.

© Ulrike Ruprecht

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